Erfolgreicher Schutz von digitalen Geschäftsmodellen: Industriepraxis wird bei Forum in Düsseldorf vorgestellt

Industrie 4.0 ist im deutschen Mittelstand die Realität. Egal ob bei Zeiss SMT, wo jedes einzelne Objektiv als digitales Abbild vorliegt, bei den digitalen Bauprozessen von Schöck oder der vollständig digitalisierten Wertschöpfungskette im Schaltanlagenbau von Rittal. An diesen und vielen anderen, bereits erfolgreich im Markt etablierten Industrie 4.0 Lösungen kann man lernen, wie ein digitales Geschäftsmodell mit Hilfe von Digitalpatenten geschützt werden kann. Der Innovationserfolg wird langfristig gesichert und die Innovationsrenditen lassen sich durch IP optimieren. In Düsseldorf fand am 20.-21.03.19 zum dritten Mal dieses erfolgreiche Seminarformat unter dem Titel „IP und Industrie 4.0“ statt.

Die Experten Prof. Dr. Wurzer und PA Dr. Neidlein diskutierten mit Industrievertretern und (Patent)Anwälten die Erfahrungen aus den Praxisfällen und die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Gestaltung und Durchsetzung von Digitalpatenten, um digitale Geschäftsmodelle wirksam zu schützen. Die aktuelle Industriepraxis bei der Anwendung von IP-Design zur Gestaltung von 360° IP-Strategien in Deutschland wurde präsentiert und den US-Erfahrungen gegenübergesellt. IP-Strategien zum Geschäftsmodellschutz in digitalen Wertschöpfungsketten wurden in eigenen Workshops-Sitzungen durch die Teilnehmer selbst erarbeitet. Die Teilnehmer haben in den Workshops mit den Methoden und Werkzeugen der 360° IP Strategie digitale B-to-B und B-to-C Geschäftsmodelle analysiert, IP-Ansätze identifiziert und IP-Design erläutert. Ebenso wurde gezeigt, wie solche Strategien dauerhaft in die betriebliche Praxis umgesetzt und gesteuert werden.

Die Teilnehmer waren hochzufrieden, wie zum Beispiel Michael Eccarius, Leiter der Zentralabteilung gewerbliche Schutzrechte & IP-Recht, Marken, Litigation: „Der Top-Down-Blickwinkel der Innovation vom Geschäftsmodell runter auf die Technik war sehr hilfreich, ebenso der große Praxisbezug der Beispiele und Ausführungen. Einziger Kritikpunkt: Die Zwei-Tagesveranstaltung war zu kurz, da hätte man sich noch deutlich länger austauschen können“.

Eines der Bespiele ist die Fallstudie Hilti.

Fallstudie Hilti: Business model transformation to adapt to the digitzation in the construction industry (Fallstudie mit Dr. Stefan Nöken, CTO Hilti, Dr. Oliver Söllner, Head von IP Hilti Group und Prof. Dr. Alexander Wurzer, CEIPI University Strasbourg)

 

Anhand verschiedener Praxisfälle wurde die IP-Design-Methodik für IoT- und Industrie 4.0-Lösungen aufgezeigt. Das Unternehmen Hilti ist ein Paradebeispiel für die Transformation von Geschäftsmodellen und deren Schutz. Vereinfacht ausgedrückt verkauft Hilti im neuen Geschäftsmodell keine Bohrmaschinen mehr, sondern vielmehr Löcher; oder vielmehr die Befähigung der Kunden Löcher zu machen. Anstatt sich auf den Verkauf und damit die Warentransaktion von teuren Maschinen an die Handwerker zu konzentrieren, bekommt der Kunde im Rahmen des Flottenmanagements das Gerät inklusive Wartung zur Verfügung gestellt und diese Leistung wird gebrauchsabhängig in Rechnung gestellt. Aus Sicht der Kunden sind defekte Bohrmaschinen ein großes Problem und können zu hohen Verlusten führen, da auf der Baustelle viele Arbeiten streng sequenziell durchgeführt werden müssen und so durch nicht durchgeführte Arbeiten hohe Folgekosten verursacht werden. Auch sind Bohrmaschinen für spezielle Anforderungen durchaus teuer. Im Falle von Reparaturen müssen Ersatzteil beschafft werden und Serviceunternehmen zur Verfügung stehen, beides ist aus Sicht der Handwerker und deren Verpflichtungen im Bauzeitplan sehr zeitkritisch. Hinzu kommt das hohe Diebstahlrisiko von teuren Werkzeugen auf Baustellen. Die potenzielle Unzuverlässigkeit von Maschinen führt zu einem vergleichsweisen hohen Lagerbestand, um im Notfall auf Ersatzgeräte zurückgreifen zu können.

Nach der Analyse dieser Situation führte Hilti ein Direktvertriebssystem ein, um die Probleme und Bedürfnisse seiner Kunden besser befriedigen zu können. Durch Wartungsverträge in Verbindung mit einem Leasing-System konnte Hilti langfristige und stabile Kundenbeziehungen aufbauen und von einem transaktionsorientierten zu einem beziehungsorientierten Geschäftsmodell umschalten. Durch das „Fleet Management Programm“ wurden die Ausfallzeiten der Maschinen bei den Handwerkern auf ein Minimum reduziert und durch die dezentralisierten „Hilti-Centers“ konnte die permanente Verfügbarkeit der benötigten Maschinen sichergestellt werden. Hilti hat es durch die Anwendung von IP-Design geschafft, seine IP-Strategie auf das Geschäftsmodell und dessen Exklusivität auszurichten. Selbstverständlich gibt es verschiedene Ansätze für Flottenmanagement und dies kann als solches auch nicht exklusiviert werden. Aber die hoch spezifischen Kostentreiber und Margenbringer in diesem Geschäft sind grundlegend anders als in einem Transaktionsbusiness. Wer diese Positionen exklusiv einnehmen kann, der hat deutliche Profitabilitätsvorteile gegenüber dem Wettbewerb. Lesen Sie mehr dazu in der Fallstudie.

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