Glossar

Die wichtigsten Begriffe aus dem strategischen IP-Management für ein besseres Verständnis der Wirkung von IP in Geschäftsmodellen

Alleinstellungskern Objekt des IP-Design zur Konkretisierung der Alleinstellungsumgebung (auch Erfindungsumgebung). Beschreibt die Elemente und Merkmale der technischen Lösung, deren Schutz aus Sicht des Geschäftsmodells wünschenswert wäre (wenn aus Sicht der technischen Innovation betrachtet, dann Erfindungsumgebung). Sie muss im Zuge der Erstellung einer Patentanmeldung gegen den Stand der Technik abgegrenzt werden.
Alleinstellungsumgebung Im Rahmen des   synthetischen Erfindens identifizierte technische Fragestellung, die wesentlich zur Herbeiführung eines bestimmten
→ Kundennutzens beiträgt. Die Alleinstellungsumgebung beschreibt dabei die technische Lösung in groben Zügen, aber noch nicht die konkrete Erfindung an sich. Sie muss daher weiter auf den → Alleinstellungskern hin konkretisiert werden.
Alleinstellungs-vermittlung Sektor IV der 360° IP-Strategie. Einsatz von IP zur Herstellung einer möglichst einzigartigen Kommunikationsposition und damit einer Unique Communication Position (UCP).
Cyberphysikalisches System Zentrale Mittler zwischen der physischen Welt und digitalen Eco-Systemen als Baustein von I4.0-Lösungen. Sie werden in der Regel mindestens aus einem physischen Teil, einem Sensorik- und/oder Aktorikanteil, sowie einem Softwareanteil beschrieben. Häufig gehört auch ein Kommunikationsanteil dazu.
Differenzierungs-wettbewerb Ein im Differenzierungswettbewerb stehendes Unternehmen bietet im Markt eine Leistung an den Kunden an, die grundsätzlich auch von Wettbewerber angeboten wird.
Aus Sicht des Kunden sind die Leistungen zumindest vergleichbar. Ziel des eigenen Unternehmens ist es, einen vom Kunden wahrgenommenen Nutzen mit möglichst großer Alleinstellung anbieten zu können. Dieses Differenzierungskriterium sollte möglichst exklusiv sein, es sollte gegen den Wettbewerb durchsetzbar sein und es sollte nachhaltig sein.
Digitalpatente Digitalpatente unterscheiden sich von Softwarepatenten oder computer-implementierten Erfindungen in ihrem Bezug auf digitale Geschäftsmodelle. Die geschützten technischen Gegenstände sind ähnlich, wie zum Beispiel Datenmodelle, Prozessabläufe, Algorithmen, Präferenzstrukturen, Dateninputs, Steuer- und Regelungsoutputs etc. aber die Wirkung ist unterschiedlich. Digitalpatente zielen darauf ab, wesentliche Komponenten von digitalen Geschäftsmodellen zu schützen und Exklusivpositionen in Wertschöpfungsketten und Eco-Systemen zu erlangen.
Eco-System Auch Business Eco-Systems, beschreibt das Konzept das Wertschöpfungs-netzwerk eines Geschäftsmodells um einen Kundennutzen zu erbringen. Als Erweiterung der Wertkettenlogik von Michael Porter umfasst das Denken in Eco-Systemen auch die Notwendigkeit, Wertgenerierung, Wettbewerb und potenziell disruptive Entwicklungen in einem größeren strategischen Zusammenhang zu betrachten.
Erfindungsprinzipien Ursprünglich ein Teil der Theorie zur innovativen Problemlösung (TRIZ, Genrich Altshuller) beruht auf der Erkenntnis, dass Erfindungen grundsätzlich nur auf einer relativ geringen Anzahl von Lösungsprinzipien für technische Probleme beruhen. Erfinderische Leistung beruht auf der Anwendung eines geeigneten Lösungsprinzips für das konkrete Problem.
Erfindungsskizze Ergebnis des synthetischen Erfindens. Bezeichnet das Übergabedokument des ausgearbeiteten und freigegebenen Erfindungskerns ( Alleistellungskern in Bezug auf das Geschäftsmodell).
Exklusivitätssphäre Vom Kunden wahrgenommener Nutzen / Mehrwert, der ausschließlich vom betrachteten Produkt (bzw. Leistung) erbracht wird und dessen Einzigartigkeit wegen einer Rechtsposition dauerhaft verteidigt werden kann.
Geschäftsmodell Abstrakte Erklärung der betriebswirtschaftlichen Funktionsweise eines Unternehmens, also wie dieses Mehrwerte für seine Kunden mittels seiner → Wertschöpfungsarchitektur sowie der Schlüsselressourcen und Kernkompetenzen erzeugt werden und wie auf dieser Basis Alleinstellung im Markt erzielt und Gewinne erwirtschaftet werden, eingebettet in → Eco-Systeme und → Wertschöpfungsnetzwerke.
Handlungsfreiheit Operativ betriebliches Ziel von Sektor I der 360° IP-Strategie als Ergebnis der Risikobeherrschung. Faktische Wertschöpfung in der Umsetzung eines → Geschäftsmodells ist nur möglich, wenn dabei keine → Verbietungsrechte Dritter verletzt werden. Je höher der Innovationsgrad eines Projektes, desto Wahrscheinlicher ist es, dass das Unternehmen die Fremdschutzrechtssituation nicht kennt und IP-Risiken nicht adäquat einschätzen kann. Dazu dient der → FoA- und → FtO-Prozess als Teil des → IP-Informationsmanagements.
Imitationsunterdrückung Sektor II der 360° IP-Strategie: Maßnahmen, um bereits bestehende technische Lösungen für den naheliegenden Beschreibungshorizont der Innovation gegen die Nachahmung durch den Wettbewerb zu schützen. Im Fokus der Ansätze stehen die vorhandenen Schlüsselressourcen und Kernkompetenzen zur Umsetzung der Innovation.
Intellectual Property Function Deployment
(IP-FD)
Methode zur Erfassung und Abbildung der für die Gestaltung einer IP-Strategie wesentlichen Informationen in interdisziplinären Teams. Sie wird dazu genutzt, die komplexen und nicht immer augenfälligen Zusammenhänge zwischen Kundenbedürfnissen und Produktmerkmalen zu strukturieren und mit Wettbewerbsinformationen abzugleichen. Aus den Ergebnissen ist ersichtlich, für welche Produktmerkmale aus Sicht des erbrachten Kundennutzens eine möglichst starke Differenzierung von Wettbewerbsprodukten in Form von → Exklusivitätssphären angestrebt werden sollte. Daraus wiederum können Hinweise auf den Bedarf nach strategisch wichtigem IP abgeleitet werden.
IP-Design Strukturiertes toolgestütztes Vorgehen (Design Thinking) zur Deckung des IP-Bedarfs. Dabei werden die benötigten Schutzrechte so gestaltet, dass die in der → IP-Zielmatrix vorgegebenen Ziele bestmöglich erreicht werden (Informieren-Antizipieren-Generieren).
IP-Informations-management Die Organisation der Aufgaben und Prozesse zur Erfassung, Strukturierung, Analyse und Kommunikation aller Informationen, die zur Erarbeitung der strategischen IP-Ziele benötigt werden, sowie der Planung und des Einsatzes der dazu notwendigen Instrumente.
IP-Management Die Organisation der Aufgaben und Prozesse zur Gestaltung, Nutzung und zum Umgang mit IP in allen Funktionsbereichen des   Unternehmens, d.h. innerhalb und außerhalb der IP-Abteilung.
IP-Managementprozesse Umfassen die IP-Kernprozesse (Inanspruchnahme, Filing, Anmeldestrategien, Verletzungsverfolgung etc.), die IP-Supportprozesse (Recherchen, Wettbewerbs- und Patentüberwachung, FTO, etc.) und die IP-Strategieprozesse (Bedarfsidentifikation, Bedarfsdeckung IP-Design).
IP-Strategie
360°-IP-Strategie
Beschreibt zielführende Strategieansätze für eine Innovation im Differenzierungswettbewerb. Eine 360° IP-Strategie dient dazu, alle relevanten Strategieansätze für die Innovation gleichzeitig und konsistent darzustellen. Die Instrumente zur Beeinflussung der Kundenentscheidung stehen dabei im Fokus. Die 360° IP-Strategie besteht aus vier Sektoren. Jeder der Sektoren verfolgt einen anderen generische Zielbereich: Risikobeherrschung, → Imitationsunterdrückung, → strategische Positionierung und die Vermittlung von Alleinstellung (→ Alleinstellungsvermittlung).
IP-Strategiemanagement Ist Teil des IP-Managements und beschreibt die Organisation der Aufgaben und Prozesse zur Ermittlung des IP-Bedarfs sowie des IP-Designs durch die Maßnahmen der Risikobeherrschung, Imitationsunterdrückung, dem Ausbau der Marktposition und zur Kommunikation der Alleinstellung (→ Alleinstellungsvermittlung). Die Summe der Maßnahmen wird dokumentiert im Bericht zur → 360° IP-Strategie.
Kundenutzen Von Kunden im Rahmen der Produkt- und/oder Leistungsauswahl wahrgenommene und die Kaufentscheidung / Preisbereitschaft tatsächlich beeinflussende Nutzenaspekte einer Leistung.
Markenpersönlichkeit Grundkonzept der Assoziierung einer Marke mit menschlichen Eigenschaften, aus der Erfahrung und damit einhergehenden Lernprozessen mit den mit der Marke in Verbindung gebrachten Produkten und Leistungen.
Markenpositionierung Die Markenpositionierung geht von der Vorstellungswelt der Zielgruppe aus und versucht dort eine Wahrnehmung einzunehmen, die mit der → Markenpersönlichkeit korrespondiert.
Markenversprechen Das Markenversprechen ist das aktiv kommunizierte Nutzenversprechen (siehe Unique Selling Position) und beschreibt somit die kommunizierten Aspekte der Markenpersönlichkeit. Das Markenversprechen löst bei der Zielgruppe eine möglichst einzigartige und differenzierte Nutzenerwartung hervor.
Marktpositions-gestaltung Sektor III der 360° IP-Strategie. Differenzierungskriterium des Leistungsangebots, das möglichst exklusiv ist, das gegen den Wettbewerb durchgesetzt werden kann und das nachhaltig ist; Grundlage für das Einfordern von einem Preispremium im Differenzierungswettbewerb, sowie zur Abschöpfung vorhandener Zahlungsbereitschaften (siehe Mehrwertposition).
Marktwettbewerber Unternehmen, die über Produkte im Markt verfügen, die gleiche / äquivalente Kundenbedürfnisse befriedigen, oder die gleichen Kundenprobleme lösen.
Patenttypen Klasse von etablierten Problem-Lösungskombinationen in der Patentliteratur, die sich auf einen schutzwürdigen Aspekt eines Geschäftsmodells bzw. der Geschäftsmodellrealisierung beziehen.
Risikobeherrschung Sektor I der 360° IP-Strategie: Maßnahmen, um die sich insbesondere aus Fremd-IP ergebenden Risiken zu erkennen, deren Realisierung zu verhindern und / oder Vorkehrungen für die Realisierung zu treffen. Die Maßnahmen bestehen in der Regel in Recherchemaßnahmen, Aufbereitung der Ergebnisse, Berücksichtigung in der F&E und ggfs. in der Lizenznahme.
Strategisches Verbieten Dient der Sicherung des eigenen Marktzugangs und der Schaffung einer möglichst exklusiven Marktposition. IP wirkt in solchen Fällen als Markteintrittsbarriere und schafft durch die Verbotswirkung eine exklusive Marktposition. Die Wirkung des strategischen Verbietens gilt es auf den Wettbewerb zu fokussieren.
Struktur-Wettbewerber Unternehmen, die grundsätzlich die technische Kompetenz hätten, die in dem betrachteten Produkt verwendeten Systemkomponenten ebenfalls zu realisieren. Dazu müssen sie im Moment über kein entsprechendes Marktangebot verfügen, aber aufgrund ihrer technischen Expertise in der Lage sein, basierend auf den gegebenen Systemkomponenten eigene Produkte zu entwickeln und in den Markt einzutreten.
Synthetische Erfindung Gezieltes Ableiten einer durch Patente schützbare Erfindung aus dem durch eine Leistung erbrachten Kundennutzen – die technische Entwicklung der Lösung ist dazu nicht nötig.
Technologieradar Teil des IP-Informationsmanagements innerhalb des IP-Management-systems zur Überwachung potenziell disruptiver Entwicklungen im Eco-System eines Innovationsszenarios.
Umbrella-IP (Sperr- und/oder Vorratspatente) Frühzeitig im Innovationsprozess erstellte IP-Rechte, die dafür sorgen sollen, dass der Weg für geplante Entwicklungen frei bleibt und nicht durch Rechte Dritter versperrt werden kann.
Unique Communication Position (UCP) Von Kunden als einzigartig wahrgenommene Kommunikation. Wird in der Regel dadurch hergestellt, dass sowohl der Kundennutzen, der im Wesentlichen die Argumentation gegenüber dem Kunden beeinflusst, als auch die entsprechende Präsentation exklusiviert wird.
Unique Selling Proposition (USP) Leistungsmerkmale des Produkts / der Dienstleistung, durch die sich das Angebot vom Wettbewerb abhebt und die einen überlegenen Kundennutzen bereitstellen. Das Generieren einer Exklusivitätssphäre um diese Mehrwerte ist eines der Ziele der Entwicklung einer 360° IP-Strategie.
Verbietungsrecht Geistiges Eigentum, wie zum Beispiel Patente sind als negatives Recht konstruiert. Durch den Ausschluss Dritter von der wirtschaftlichen Nutzung wird das Eigentum hergestellt. Nur der Patentinhaber darf über die wirtschaftliche Verwertung des patentgeschützten Gegenstands verfügen.