Wird Airbus zum Google der Luftfahrtindustrie? Das Eco-System Luftfahrt als Lehrbeispiel der digitalen Transformation

Der Kampf um die Datenhoheit und damit der industriellen Wertschöpfung aus Daten wird härter und was sich gerade in der zivilen Luftfahrtbranche abspielt kann eine Blaupause für viele andere Industrien werden, so die Einschätzung der Bundesregierung. Schon seit geraumer Zeit wandelt sich das Luftfahrtunternehmen Airbus zum Datenkonzern. Die Plattform Skywise wird mit aller Kraft aufgebaut, mit dem Anspruch für die gesamte Luftfahrtindustrie eine Vorreiterrolle bei der digital basierten Wertschöpfung zu spielen. Kosteneinsparungen bei der Wartung, Treibstoffeinsparungen, Reduktion der Betriebsstörungen und höhere Zuverlässigkeit werden durch die verfügbaren Daten beispielsweise möglich.

Europas Vorzeigeprojekt Airbus durchläuft vor aller Augen eine radikale digitale Transformation. Noch immer besteht das Geschäft von Airbus vordergründig darin, Rumpfteile, Flügel, Motoren, Triebwerke und Elektronik zu Flugzeugen, Helikoptern und anderen Fluggeräten zusammenzubauen. Gleichzeitig jedoch wandelt sich das Business dramatisch hin zum Betreiber einer Datenplattform und Verkäufer von Apps. Die Datenplattform Skywise startete im Sommer 2017 und sammelte Millionen von Daten, die während des Betriebs der über 8000 Flugzeuge gesammelt wurde, die bereits auf der Plattform repräsentiert werden; auch solche von der Konkurrenz aus Seattle. Aber der Ansatz von Airbus geht deutlich über vorausschauende Wartung und die Reduktion von Ausfallzeiten hinaus. Skywise ist bereits heute eine Basis, um neue Flugzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben und so werden zunehmend auch Wartungsbetriebe, Ausrüster und Zulieferer in die Plattform integriert. So hat sich Skywise zur wichtigsten Daten-Drehscheibe der kommerziellen Luftfahrt entwickelt, laut Vorstandmitglied Marc Fontaine will Airbus: „die wichtigsten Applikationen und die Architektur der Plattform kontrollieren“.

Airbus hat als Partner für die Datenanalyse das Unternehmen Palantir an Bord, das unter anderem auch mit Geld des US-Geheimdienstes CIA finanziert wurde. Palantir ist auch heute noch Dienstleister für verschiedene Geheimdienste. Letztlich ist es die besondere Qualifikation des Unternehmens aus sehr heterogenen Daten sinnvolles Wissen zu erschließen, was es so begehrenswert für die unterschiedlichsten Anwendungen macht. Aber auch Airbus selbst erweitert seine Kompetenzen und hat über 400 Spezialisten zur Datenanalyse und -aufbereitung eingestellt. Auch in Sachen IP-Compliance, IP Management und Know-how-Schutz stellt sich Airbus möglichst professionell auf.

Nach einem aktuellen Artikel aus dem Handelsblatt „Airbus verärgert die Branche mit Daten-Gebühr“ ist nun der Zeitpunkt gekommen, wo Airbus das Datenkapital und seine Investitionen auch ganz direkt monetarisieren möchte. Wartungsspezialfirmen sollen in Zukunft für den Zugang zu Daten aus dem Datenportal Geld bezahlen müssen. Aus Sicht von Airbus ist klar, dass bisherige Gratisleistungen die auf dem geistigen Eigentum von Airbus beruhen in Zukunft wirtschaftlich honoriert werden müssen. Als Konsequenz dieser Ankündigung herrscht in der Wartungsbranche, den sogenannten MRO-Spezialfirmen (Maintenance, Repair, Operations) Unruhe und auch Unmut. Jedoch wird an dieser wirtschaftlichen Weiterentwicklung der datenbasierten Wertschöpfung kein Weg vorbeiführen und damit zeichnet sich hier ein typischer Vorgang ab, wie sich die Wettbewerbs- und Wertschöpfungsverhältnisse aus einer Datenplattform heraus in einer Branche transformieren können.

Wie dramatisch diese Transformationen für ganze Branchen sein können zeigt sich am gerade fertiggestellten Bericht „Ein neuer Wettbewerbsrahmen für die Digitalwirtschaft“ der von der Expertenkommission Wettbewerbsrecht 4.0 im September an die Regierung übergeben wurde. Die Kommission ist in dieser Sache sehr deutlich geworden: „Die digitale Ökonomie bricht etablierte Wertschöpfungsketten auf und führt zur Umstrukturierung von Märkten“, so die Vorsitzende der Expertenkommission des BMWi Frau Prof. Dr. Heike Schweitzer.

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